Der Start

21.05.2019
Es ist ein bedeckter grauer Morgen und es geht endlich los. Wie immer bei anstehenden Reisen das nervöse Gefühl.. Habe ich auch wirklich an alles gedacht und auch dabei? Die Verabschiedung von Ines fühlt sich irgendwie unwirklich an. Kaum vorstellbar sie voraussichtlich so lange nicht mehr zu sehen. Die Kids neben mir in der S-Bahn spielen fortnite..“ ey krass Alter, der schwarze highride assault ist echt ernst.. Ich weiß nicht, welches skin ich nehmen soll und hab noch 73 Leben…“
Ich habe leider nur ein Leben, jedenfalls gehe ich davon aus und kann auch mein skin nicht wechseln. Dann fliegt die nächsten Stunden die grüne Landschaft und der graue Himmel vorbei. Es geht über Essen, Kassel, Nürnberg nach Wien.. Stunden später bei Passau die fast über die Ufer getretene schlammgraue Donau und immer noch der dunkelgraue regnerische Himmel und die sattgrünen Felder. Wettertechnisch kann es schon noch besser werden. Dann endlich erreiche ich Wien. Mit der U-Bahn durch die urbane rushhour und das Ganze ist ohne google maps zur Orientierung kaum zu bewältigen. Ich checke im Wombat Hostel auf der Mariahilfer Strasse ein. Auf dem Zimmer treffe ich Joseph aus Malaysia. Aber zu kurz ist die Zeit zum Austausch. Ich bin in Wien und möchte unbedingt noch die touristischen highlights besuchen. Also wieder in den öffentlichen Nahverkehr und zum Stephansdom, Wiener Würstl und Siegel Pils als Abendessen an dem Würstlstand in der Siegelgasse, die Hofburg, Spanische Reitschule und Wiener Staatsoper mit live Übertragung auf eine Leinwand von einer Aufführung des Barbier von Sevilla. Natürlich auch das Café Mozart und das Hotel Sacher. Ich hab 10 Stunden Zugfahrt und noch zwei Stunden powertouristrouting hinter mir. Es wird Zeit für das Unisex-Sechsbettzimmer im Wombat Hostel (wer ist bloß auf den australischen Beutelsäuger als Namensgeber für ein Hostel gekommen? ). Joseph ist wohl nochmal unterwegs .. dafür ist ein junges gepierctes Mädel im Zimmer, welches gefühlt stundenlang in der Duschtoilette duscht und dann verschämt mit dem Kopf hinter der vorher festverschlossenen Tür hervorlugt.“ I am sorry.. I forgot my towel.. would you be so kind and bring it from the heater“
Das sind die Momente, die es in einem Viersternehotel nicht für viel Geld gibt. Auch nicht die Klasse 4a aus Graubünden als Nachbarn beim Frühstück.
Am nächsten Morgen schleiche ich mich um kurz vor Sieben aus dem Zimmer. Joseph ist wach und verabschiedet mich. You will hike? but it’s raining! Ein völlig verständnisloser Blick trifft mich. Vielleicht denkt er, ist dieser fast kahlköpfige Opa doch ein bisschen durchgeknallt?
Dann geht es via ÖNV nach Perchtoldsdorf. Mit der S3 bin ich schwarz gefahren, da ich keine Zeit mehr hatte, eine Fahrkarte zu lösen. Nach einigen Orientierungsschwierigkeiten geht es dann in leichtem Nieselregen los. Schnell tauche ich in die nasse, grüne Natur ein und bin den ganzen Tag nahezu alleine unterwegs. Endlich Ruhe bis auf die gelegentlich auffrischenden Sturmböen. Ich komme an vielen schönen Bergwiesen mit vielen Blumen vorbei, die in der Sonne sicherlich noch viel besser aussehen. Mein Garmin GPS Gerät zeigt fast 30km und 1330 HM an, als ich endlich das Peilsteinhaus erreiche. Das Inreach – Tracking-Gerät welches die zurückgelegte Strecke auf der website anzeigt, kommt auf eine kürzere Strecke, da nur alle 10 Minuten Punkte registriert werden und durch eine Gerade verbunden und gemessen werden. Ich habe keine Blasen und bin in einem leidlich fitten Zustand. Ich bin der einzige Wanderer auf der Hütte und brauche das Matrazenlager nicht zu fürchten. Der Einstieg in die Wanderung scheint gelungen… und das Wetter soll auch besser werden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

4 Gedanken zu “Der Start”