29.05.

Nicht das wir in die Hölle kommen, immer schön lieb sein…

Der Himmel ist immer noch grau und es regnet. Die Pensionswirtin ist der Meinung, sie hätte so einen Mai noch nicht erlebt und sie sieht noch älter aus als ich. Bei dem Wetter solle ich „mal oanen Toag oasrasten“. Es braucht lange, bis ich realisiere, daß der Sprachgebrauch hier doch a weng anders ist. Sie kann doch unmöglich vorschlagen, daß ich wegen des Wetters ausraste und das „Fremdenzimmer“ kurz und klein schlage. Nein, hier ist gemeint, eine Pause zu machen und aus dem Trott zu kommen und zu rasten. Wie anders und durch eine andere Zeit geprägt sind die Menschen hier. Im Übrigen bin ich hier kein Wanderer sondern ein Berggeher. Also auf Anraten der Wirtin chille ich mal echt ernst , äh raste ich den Tag aus…
Das bedeutet, dass ich das nur vormittags geöffnete Touri -Büro in drei Kilometer Entfernung aufsuche und in Erfahrung bringe, daß zumindest bis zur Voisthaler Hütte nicht mit wirklich ernsthaften Schwierigkeiten zu rechnen ist. Auf dem Rückweg besuche ich das Münster mit dem im deutschsprachigen Raum größten hölzernen Dachstuhl aus Lärchenholz. Die riesige Zisterzienser-Kirche ist für den heute eher winzigen Ort etwas überproportioniert und die Innengestaltung beeindruckt mich sehr. Was haben die Menschen für ihren Glauben nur alles erschaffen. Die vielen kleinen Kapellen, Kreuze und Mariastatuen auch sonst am Weg erinnern mich an die vielen kleinen Tempel und Stupas in Indien und Nepal. Ist ja sozusagen christliches Kernland mit den ganzen Wallfahrtsorten hier. Der Mensch kommt bei der Frage nach dem Sinn des Lebens unweigerlich an den Punkt : Wer hat mich geschaffen? Ich selber war es nicht, sonst könnte ich mich erinnern. Meine Eltern bei aller Hochachtung für ihr handwerkliches Können und in Anbetracht ihrer subjektiven Unzulänglichkeit sicherlich auch nicht. So was Wunderbares wie mich muss schon wer anderes geschaffen haben.
Und wenn man dann, wie ich, nebenan in das Naturkundemuseum geht, weil es eh regnet und auf eine riesige zoologische Sammlung stösst und nur einen Bruchteil der wunderbaren einheimischen Tierwelt auch nur benennen kann, der könnte auch von dieser Seite auch auf die Idee kommen, dass sich da jemand mit der Schöpfung sehr angestrengt hat. Also kann man sich schon etwas dankbar zeigen und nicht wieder alles kaputt machen.
Außerdem bin ich ja jetzt sogar live in dieser Mutter Natur unterwegs und bis auf den Regen kann ich sagen: gut gemacht.
Völlig mit Sinneseindrücken von wilden Tieren wie der Schneemaus, dem Basstöpel und der schwarzen Mamba überfrachtet besuche ich noch die Glasbläserei, wo Kinder einer Schulklasse mal Glas blasen dürfen. Ein schmächtiges Kerlchen versucht sich und scheitert mit seinen sichtlich nicht sehr entfalteten Lungen. Der würde nach einem Sommer in den Bergen auch anders aussehen, geht mir durch den Kopf. Draußen im Innenhof kann man noch eine von fünf mongolischen Jurten besichtigen. Ich nehme an, im Sommer kann man sich hier einmieten.
Noch eine kleine 5km Wanderung zu den Urania-Teichen, wo ich nicht bade aber gut esse und dem weiteren Ausrasten steht nichts im Wege. Es hat tatsächlich aufgehört zu regnen, nein doch nicht..Morgen geht es wieder auffi, das Graf Meran Haus eröffnet erstmalig die Sommersaison dies Jahr und ich werde dabei sein.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

2 Gedanken zu “29.05.”