30.05.

Der erste Blick geht aus dem Fenster. Aber der Himmel ist wieder dunkelgrau. Nach einem ausgiebigen Frühstück verabschiede ich mich von Frau Holzer und ihren drei Katzen. Sie hat mir noch die Bildzeitung Österreichs, die Kronenzeitung hingelegt. Die ersten vier Seiten füllen Meldungen über die politische Schlammschlacht in Österreich. Eigentlich wollte ich mich auf meiner Wanderung mit anderen Themen beschäftigen, aber dann darf man auch nicht in die Medien schauen. Aus Neuberg geht es steil im Wald hinauf und der enge Pfad führt durch endlose feuchte Blaubeerbüschel, was zur Folge hat, daß meine Schuhe schon nach zwei Stunden durchnässt sind. So geht es eine ganze Weile dahin, aber je höher ich komme, umso mehr nimmt der Wind zu und immer mehr Windbruch versperrt mir den Weg. So geht es Stunde um Stunde bergauf, es ist kalt und windig und eine Pause macht keinen Sinn. Nach ca. fünfeinhalb Stunden erreiche ich die erste Hütte auf dem Weg, die Kleinveitschalm-Hütte. Sie liegt auf einem Kamm und ich werde fast in die Hütte geblasen. Wie groß ist mein Erstaunen, daß diese kleine Hütte rappelvoll mit Menschen ist. Es sitzt sogar eine vierköpfige Trachtenmusikgruppe da und spielt mit Klarinette, Gitarre und Posaune auf. Erst auf dem Graf Meran Haus erfahre ich den Grund. Die Hütte hat einen neuen Besitzer und macht heute auch wie das Graf Meran Haus zum ersten Mal auf. Da sind dann alle Bekannten aus dem Tal gekommen. Ich werde von den Wirtsleuten sogar mit Handschlag begrüßt. Mir ist der Rummel und Lärm aber schnell zu viel und ich mache mich wieder auf. E Draußen werde ich fast wieder weggeblasen, und mir ist schlagartig eiskalt. Erst als ich alle meine Zwiebelschalen angelegt habe, geht es wieder. Dann geht es weiter. Je höher ich komme, umso stärker wird der Wind, die Sicht wird schlecht und es wird immer kälter. Der Boden ist jetzt auch mit frischem Schnee bedeckt und immer häufiger brauche ich das GPS zur Wegfindung. Langsam wird es arktisch. Die Hütte ist nicht mehr weit, aber so habe ich es mir denn doch nicht vorgestellt. Endlich kann ich die Hütte in Umrissen erkennen, muss mich aber kurzfristig zusammenkauern, um nicht umgeweht zu werden. In der Hütte erzählt mir der Hüttenwirt, daß die Windgeschwindigkeit in Spitzen über 100km/h liegt und draussen minus 0,5 Grad herrscht, was aber bei dem windchill einer gefühlten Temperatur von minus 5Grad entspricht. Hier drinnen ist der Ofen an und irgendwann tauen meine Füße auch wieder auf. Ihr seht, es ist bisher nicht langweilig. Für morgen zur Voisthaler Hütte soll es noch gehen aber dann kommt der Hochschwab mit 2200mtr. Da soll noch richtig viel Schnee liegen. Fotos kann ich wohl nicht hochladen, das Netz hat zur Zeit Edge-Qualität.

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