03.06.

Was für ein herrlicher Tag. Nach dem Besuch der Wehrkirche in Eisenerz gehe ich durch die sonnendurchflutete Landschaft. Das erste Heu ist gemacht. Es riecht herrlich. Ringsum schneebedeckte Berge und aus dem Wald das Geräusch der Kettensäge. Der Weg geht nach Radmer und soll, wie schon gesagt, entspannt über Forstwege gehen. Auf dem Hinweisschild steht Radmer und Donnersalpe. Irgendwann steht nur Donnersalpe, aber die Richtung ist eh klar….denke ich. Es ist bei den Schildern manchmal halt so, erst das Fernziel und das Nahziel und dann nur noch das Nahziel, wobei das angebliche Nahziel auch 2,5 Stunden entfernt sein soll. An irgendeinem Schild Richtung Donnersalpe mit nur noch 1,5 Stunden Entfernung komme ich auf die Idee, auf das GPS Gerät zu schauen, obwohl die Richtung eigentlich klar ist. Schlagartig dissoziiere ich, will sagen, daß in meinem Kopf folgende Konversation stattfindet. Der eine Typ, nennen wir ihn Shredderman, scheisst den anderen Typ, nennen wir ihn Dietmar, heftig zusammen. „ Weisst Du Penner, wo wir sind sind?“ „Es sieht irgendwie komisch aus, wo ist denn der Track?“ „Der ist ausserhalb des Bildschirms, also weit weg, Du Traumtänzer, Dir ist wohl das Gras nicht bekommen. Weißt Du, wie lange wir schon in die Irre laufen? Eine Stunde. Das gibt es doch nicht, wie kann man sich nach zwei Wochen wandern so verhauen? Lernst Du eigentlich nichts mehr dazu. Reichen die 2000km nicht und musst Du noch ein paar drauflegen?“ „Na ja, dumm gelaufen“ „Ja genau, Du bist echt dumm gelaufen. Ist es zu viel verlangt alle 10 Minuten auf das Gerät zu schauen? So entspannt durch die Gegend zu turnen geht einfach nicht.“

Ich bin ziemlich kleinlaut. Wir einigen uns, nicht den ganzen Weg bis zum falschen Abzweig zurück zu gehen, sondern durch den Wald abzukürzen. Keine gute Idee bei 30°Gefälle. Shredderman flucht noch eine ganze Zeit herum und ich bin bemüht so vorsichtig wie möglich abzusteigen und bin froh als ich endlich wieder einen Forstweg erreiche. Es braucht noch eine Stunde bis der Shredderman wieder verschwunden ist. Dann geht es eine Strasse entlang nach Ramsau in der Steiermark, wo ich in der Nähe einer Sommerskisprunganlage in einer kleinen alten Hütte eine Brettel-Jause nehme. Es geht hinauf zum Radmerhals, der höchsten Erhebung des Weges und nun bräuchte ich nur noch den Schildern zu folgen und den Forstweg zu nehmen. Irgendwann bemerke ich mit Entsetzen, daß ich wieder nicht mehr auf dem Track bin. Nun begehe ich den zweiten großen Fehler dieses Tages. Ich beginne an einer Stelle, wo der Forstweg den Track schneidet, tatsächlich dem Track zu folgen und finde auch rudimentär alte Markierungen an den Bäumen. Der Weg sieht allerdings so aus, als wenn er einige Jahre nicht mehr begangen wurde. Eine ganze Weile finde ich noch hin und wieder Markierungen und bin leidlich auf dem Track. Dann kann ich unmöglich dem Track folgen. Es sind überall umgestürzte Bäume, das Bachtal wird immer steiler und ich finde einen winzigen Pfad, der in dem steilen bewachsenen Gelände aufsteigt. Jetzt bin ich zwar nicht mehr auf dem Track, gehe, steige, krieche unter umgeknickten Bäumen immer weiter in die ungefähre Richtung parallel zum Track, der unterhalb von mir irgendwo in der Schlucht liegen soll. Das der aber so geradlinig durch dieses völlig unwegsame Gelände gehen soll, kommt mir auch irgendwie seltsam vor. Irgendwann sitze ich dann wie man so sagt in der Scheisse. Der Pfad ist jetzt nichts anderes als ein Wildwechsel irgendwo in einem 40° steilen Bergwald, wo man nur deshalb nicht tödlich abstürzen kann, weil man spätestens nach 5 Metern an einen Baum knallt. Um den Track folgen zu können, müsste ich fliegen können und der Wildwechsel führt mich vielleicht zu jungen, grünen Blattpflanzen oder zu einer verschlammten Tränke, aber sicherlich nicht in die Ortsmitte von Radmer. Zurück oder irgendwie auf einen der vielen Forstwege kommen. Rechts oberhalb von mir in etwa 80 Meter Entfernung befindet sich einer. 80 Meter Luftlinie wohlgemerkt. Das bedeutet, daß ich mehr als 120 Meter in diesem verfluchten Wald aufsteigen muss. Der Rucksack bleibt ständig in den Ästen hängen und von toten Tannenzweigen rieseln die Nadeln zwischen Rucksack und nassem Hemd und stechen in den Rücken. Nie im Leben werde ich nochmal Waldarbeiter. Irgendwann krieche ich dann keuchend auf den Forstweg und vernichte meine letzten Wasservorräte. Nun folge ich brav dem Forstweg und kümmere mich nicht mehr um den Track. In Radmer angekommen, finde ich eine Tafel, die den betreffenden Weg, dem der Track folgen soll, für gesperrt erklärt. Nun kann ich eins und eins zusammen zählen. Alex, von dem ich den Track habe, hatte geschrieben, daß er sich auf dem Weg nach Eisenerz den Knöchel verrenkt habe und zunächst drei Tagesetappen des Nordalpensteiges ausgelassen habe und erst in Admont wieder weiter gewandert wäre. Das heißt, er ist dieses Stück gar nicht real gewandert und dementsprechend ist der Track heute anhand einer Karte konstruiert und nicht real aufgezeichnet. Das erklärt den geraden Verlauf zwischen bestimmten landmarks. Das sollte ein entspannter Tag werden und im Nachhinein war es sehr anstrengend. In Radmer esse ich kurz zu Abend und wandere noch ein Stück weiter in die Berge. Das Wetter ist gut, es ist warm und es wird Zeit, daß ich den letzten Ausrüstungsgegenstand auspacke, den ich noch nicht benutzt habe… mein Zelt.

Ach so, die Eingeweihten werden sich fragen, wie geht das? Durch Unterholz auf einem Wildwechsel unterwegs zu sein ohne sich Zecken zu holen. Antwort: es geht nicht. 7Stück habe ich erwischt und wohl noch rechtzeitig zerquetscht. Leider kann ich schlecht meine Rückseite inspizieren. Dann gibt es da noch die große rote Waldameise, die nicht zum allgemeinen Wohlbefinden beiträgt. Morgen gibt es eine Hammertour mit 2000Hm Aufstieg.

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