10.06.

Es ist Pfingstmontag, aber für mich hat sich die Bedeutung der Wochentage verändert. Thanks the Lord , it is Friday oder bloddy Monday gibt es nicht mehr. Ich bin jetzt fast drei Wochen bis auf einen Pausentag unterwegs und ein Wanderalltag ist in dem Sinne noch nicht aufgekommen. Jeder Tag ist neu und aufregend und voller Eindrücke. Auf der Erzherzog Johann Hütte, die übrigens am Großglockner eine Namensvetterin hat, gibt’s wieder ein üppiges Frühstück und dann geht es steil bergan. Wie jeden Morgen macht sich das Frühstück noch eine ganze Weile bemerkbar. Der Magen möchte halt in Ruhe verdauen und auch der ganze restliche Körper erklärt sich solidarisch. Ich will jetzt auch nicht langweilen, das Programm ist ja wie immer das gleiche… rauf auf den Berg und wieder runter. Beim Rauf verlasse ich den hinteren Talkessel des Sölktales und beim Runter steige ich zum Eselbergbachtal in Richtung Murtal ab. Mit 2205mtr. bei der Kammüberschreitung bin ich wieder in der Region, wo ich zur Zeit eigentlich als Wanderer nicht hin gehöre. So mache ich denn auch wieder die Erfahrungen der letzten Tage. Der Aufstieg über die Haseneckscharte ist nichts für Angsthasen und den Abstieg würde sich kein Esel wagen. Die sind nämlich richtig vernünftige Tiere, wie ich auf einer Eselwanderung mit Ines in den Cevennen lernen musste. Ich bin jedenfalls vom Ausmaß der steilen Schneefelder doch ein bisschen überrascht. Am Anfang meiner Wanderung hätte ich mich hier nicht runter getraut. Ich bin langsam an einem Punkt, wo ich mein Mutkonto aufgebraucht habe. Und das füllt sich auch nicht so schnell wieder auf. Mir reicht es.. Irgendwann habe ich mich wieder in wärmere Gefilde vorgetrittspurt und betrete wieder grünen Boden in Form der Hölzeralm. Mein Schritttempo hat sich mittlerweile verzehnfacht und wo trete ich fast drauf? Genau, auf die zweite Kreuzotter in meinem Leben. Diese ist deutlich heller als die am Großrettelstein und auch ein bißchen größer. Leider habe ich gerade die Faxen dicke von dem Abstieg, sonst hätte ich gerne noch etwas mit ihr gespielt. Auf der Hölzer Hütte gibt es Gottseidank ein Radler und zig, ich nenne sie mal Kurzstreckenwanderer, nämlich vom Auto zur Bierbank. Bis hier hin ist das Tal nämlich mit dem Auto befahrbar. Ich bin so viele Menschen gar nicht mehr gewohnt und mache mich schnell auf und davon (nicht aus dem Staub s. u.). Leider geht das nur auf dem einzig möglichen Weg talauswärts, einer staubigen Forststrasse. Im Laufe der einstündigen Wanderung schlucke ich viel Staub. Gefühlt im Fünfminuten-Takt kommen Autos herauf oder herunter. Sonst ist das Tal sehr idyllisch, nach einem kurzen Grollen haben sich dunkle Wolken verzogen und es ist Hochsommer. Es gibt viele kleine Hütten mit kleinen Teichen und schöne Bergwiesen. Dann weitet sich das Tal und soweit ich blicken kann, es gibt keine hohen schneebedeckten Berge mehr, sondern eher eine dem Schwarzwald oder Wiener Wald ähnliche Landschaft. Überall große grüne Wiesen und der Duft von frischen Heu steigt wieder in die Nase. Die Bauernhöfe sind vielfach modern renoviert und alles ist gepflegt und macht einen wohlhabenden Eindruck. Ich bin jetzt auf der Landstraße nach St. Peter am Kammersberg unterwegs und es ist schon richtig heiß. Als ich den Ort erreiche, habe ich 26km Strecke, 1500mtr. Abstieg und 800mtr. Aufstieg hinter mir und freue mich auf eine Unterkunft. Aber es gibt keine mehr. Die einzige, der Muracher Hof hat dicht gemacht. Ich könnte fünf Kilometer zurück laufen, da gab es noch einen Gasthof. In einem Eiskaffee bekomme ich eine Pizza und ein Bier.. Immerhin, ich muss nicht verhungern. Jetzt sitze ich auf einer Bank am Waldrand mit Blick auf St.Peter und habe mich häuslich eingerichtet. Ich hoffe, es wird die Nacht nicht regnen. Ich habe das Zelt nicht ausgepackt und schlafe auf der Bank, denn die ist waagerecht.

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