11.06.

Ich habe gut geschlafen, aber die Vögel machen morgens ja einen Rabbatz… Leider ist der Brötchen- ich meine Semmeln-Service nicht vorbei gekommen. So mache ich mich nach einer Tasse Instantkaffee auf zu Höherem, nämlich der Stolzealpe auf ca. 1800mtr.. Was soll ich sagen.. der liebe Gott, so es ihn denn gibt, hat mein Flehen erhört. Ich brauche keine Schneeketten äh Grödeln, es gibt keine Wildwasserbäche zu überqueren, die Sonne scheint und ich wandere fast 1000Hm auf Forststraßen, die für den Verkehr gesperrt sind, durch den schattigen Fichtenwald, begleitet von Vogelgezwitscher. Die einzigen Begegnungen, die ich habe, sind ein schwarzes Eichhörnchen, diverse Stück Almrindviecher und einer Stute mit ihrem Fohlen, welches nach anfänglichen Fremdeln auf einmal gar nicht mehr von mir bzw. meinem Rucksack lassen kann. Unterwegs gibt es immer wieder niedliche kleine Hütten mit Ausblick, wo man am Wochenende die Beine, ich meine Seele baumeln lassen könnte. Sie tragen in Ermangelung von wahrscheinlich zu teuren Hirschgeweihen Rentiergeweihe über der Tür. Sie sind aber alle verschlossen (selbst die Herzhäuschen) und nirgendwo lädt eine hübsche, einsame Sennerin im Dirndl zum Kaffee ein. Nirgends auch nur ein Fitzelchen Schnee, dafür ganze Vergissmeinichtwiesen. Dann geht es mit schöner Aussicht auf mein neues Wandergebiet wieder abbi. Der Weg ist ausgezeichnet. Woher kommt eigentlich der Begriff „ausgezeichnet“? Hier wird es mir klar. Alle paar Meter sind frische rot-weiße Markierungen ausgezeichnet, so dass selbst ich mich nicht verlaufen kann. Das nur am Rande. Irgendwann komme ich in das subtropische Murau, wo ich mir beim Türken am Markt eine Pizza Mexicana bestelle. Sie hat 32cm Durchmesser mit dickem Teig und ist mit viel Käse belegt und mit Knoblauchöl getränkt. Mexikanisch kann ich sie nach Belieben mit Tabasko machen. Schon wieder eine Pizza, das ist keine große Abwechslung in der Ernährung, aber sie macht zuverlässig satt. Dann geht es pizzageschwängert nochmal zweieinhalb Stunden steil einen anderen Berg hoch zur Murauer Hütte. Beim Einstieg in den Weg das Schild, daß Weitwanderer (und als solchen würde ich mich mittlerweile bezeichnen) unbedingt eine Reservierung für die Hütte brauchen. Daneben die Telefonnummer. Häh? Ich rufe an und bekomme die Auskunft, daß die Hütte heute zu wäre, es wăre Dienstag und Ruhetag. Häh? Da stimmt mittlerweile Einiges nicht mehr. Eine Wanderhütte hat in der Saison jeden Tag auf zu haben. Soll ich mich bei der Wanderung auch noch um die Öffnungszeiten der Hütten kümmern? Bei einer privaten kann ich es noch vielleicht verstehen, aber bei einer Alpenvereinshütte? Der Pächter weist mich aber noch darauf hin, daß nahe bei der Hütte noch ein Alpengasthof wäre. Die würden mich schon nehmen.

Ich verlasse mich auf mein Glück und nach zwei Stunden stehe ich schweißtriefend und mit einem Wärmegewitter im Nacken vor Frau Krische und bitte um Unterkunft. Die ist zunächst auch wenig begeistert, weil sie keine Gäste erwartet hat. Ich bekomme aber ein schönes Zimmer mit Balkon und heißer Dusche. Das Gewitter kann sich nicht so recht entscheiden. Es donnert, es gibt heftige Böen, aber es fallen nur ein paar Tropfen. Ich genieße die heiße Dusche und irgendwie hat es heute dann doch alles gut geklappt.

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