12.06.

Ach diese Kontraste. Gestern unter freiem Himmel auf der Holzbank und dann wieder der Dreisternegasthof mit gemütlichen Bett und einem Frühstück, welches keine Wünsche offen lässt. Es geht eine Stunde bergan zur Frauenalpe, wo ich an der Appolonia-Kapelle Abbitte leiste für meinen gestrigen Chauvi-Spruch von wegen Sennerin und Dirndl und so. Liebende Ehefrauen, die zu Hause arbeiten müssen, goutieren verständlicherweise solche in die Öffentlichkeit gebrachten Stereotypen nicht so sehr. Ich muss auch gestehen, dass ich eher Phantasien von Radler, Pizza und Schlafen habe und mich nach Ruhe und eigentlich gar nicht nach Sennerinnen sehne. Ich habe halt als Kind zu viele Heimatfilme mit Luis Trenker geguckt .

Nachdem ich die Frauenalpe verlassen habe, geht es auf eine lange Kammwanderung über den Pankert nach Flattnitz. Es ist bis jetzt die längste Etappe auf dem Salzsteinweg und ist mit 11,5 Stunden in meiner App ausgeschrieben und mit mindestens 10 Stunden insgesamt auf den Wegweiser-Schildern. Dies ist der Tatsache geschuldet, daß es unterwegs einfach keine Unterkünfte gibt, ja ehrlich gesagt nicht mal menschliche Behausungen. Ich bin den ganzen Tag mutterseelenallein unterwegs und treffe ein schwarzes und ein rotes Eichhörnchen und ein aufgeregtes Schneehuhn. Ich weiß, daß ich mir mittlerweile wirklich eine Pause verdient habe. Aber bis zum Wochenende ist relativ stabiles Wetter vorausgesagt und ich habe noch zwei anspruchsvolle Etappen vor mir, die ich nur mit gutem Wetter gehen kann. Und in Villach will ich garantiert eine Pause machen. Auf dem Kamm weht ein lebhafter Wind, in Böen stürmig. Als ich den Kamm erreiche und das Rundumpanorama genieße, bin ich der König der Welt.. Zwei Stunden später bin ich wesentlich kleinlauter. Der Kampf mit dem Wind macht mir doch zu schaffen und immer begutachte ich die heranziehenden Wolken, ob sich was zusammenbraut. Hier oben bin ich ziemlich schutzlos.. Endlich habe ich den Pranker mit 2166mtr. als höchsten Punkt erreicht. Es gibt hier zwar noch Schneefelder, aber die stören nicht. Überhaupt ist das hier eher mit dem Gipfel des Feldberges zu vergleichen und hat längst nicht die schroffe ausgesetzte hochalpine Atmosphäre der letzten Tage. Dann geht es lange Zeit durch einen alten Nadelwald mit Lärchen, Kiefern und Fichten.. Eigentlich zauberhaft, wenn ich nicht schon ein paar Kilometer in den Knochen hätte. Ich nehme mir vor bei der nächsten Sitzgelegenheit in Form einer Bank eine Pause zu machen . An der Stegerhütte ist es soweit. Kaum sitze ich, fängt ein sogenannter Schwammerlregen (also ganz leicht) an. Ich sitze trocken unter der Dachtraufe und koche mir einen Kaffee. Als ich fertig bin, hört der Regen wieder auf. Zwischendurch tröpfelt es bis Flattnitz zwar noch ein bisschen, aber das gefürchtete Gewitter fällt aus. Der Rest des Weges zieht sich noch zäh und in Flattnitz steuere ich die das Hotel Ladini an. Es ist verschlossen. Über das Internet finde ich die Nummer heraus und habe Frau Ladini am Telefon. Nein, das Hotel ist geschlossen, warum ich nicht früher angerufen habe? Ich entschuldige mich von wegen Weitwanderer und schlechter Planungsmöglichkeit ob des Wetters und so. Sie hätte ja jetzt gar nichts zum Essen und Frühstück da und das Haus wäre kalt und nichts wäre darauf eingerichtet. Als sie hört, wo ich herkomme, hat sie Mitleid. Da sans bestimmt gaanz müd. Wartens doa, i kumm und foar sie zum Kärtner Hof. Do soans zwei junge Ungarn, die sans froh über Gäste. Ich danke ihr und sage ihr, daß ich dort bereits vorbei gekommen wäre und auch wieder hinlaufen könne und daß sie meinethalben keinen Aufwand machen müsste. Sie insistiert, ich solle jetzt da vor dem Hotel stehen bleiben und sie bringt mich mit dem Auto zum Kärntner Hof. Zehn Minuten später kommt mein Taxi und es geht cirka einen Kilometer zurück zum Kärntner Hof. Der Wirt kann mir allerdings auch kein Zimmer anbieten, weil die alle renoviert würden. Er telefoniere mit einer Frühstückspension, da würde ich schon unterkommen. Wieder insistiert Frau Ladini.. Dann essen sie halt hier etwas zu Abend. In einer Stunde hole ich sie wieder ab und richte ein Zimmer her und zum Frühstück wird sich schon was finden. Und ich solle mir was Warmes anziehen, wenn ich draußen essen würde. Ich wäre vom Wandern ja geschwitzt. Gesagt und fährt davon.. Der ungarische Wirt hat keine Speisekarte, aber nennt drei Gerichte, die er machen könnte. Wiener Schnitzel mit Pommes, ungarisches Gulasch mit Rösti und noch ein Gericht. Ich entscheide mich spontan für das ungarische Gulasch, was ein Lächeln auf das Gesicht des Wirtes zaubert und mir zu einem kostenlosen Aperitif in Form eines Obstlers, mutmaßlich ein Slivovitch, verhilft. Das Essen fällt tief und ich bin hochbeglückt. Dann kommt Frau Ladini und fährt mich wieder zum Hotel. Neben diesem befindet sich noch ein Haus mit Apartments. Sie führt mich in eines und ist rührend darum besorgt, das ich genügend Essen zum Frühstück habe. Ich könnte aufbrechen, wann ich wollte und bräuchte nur die Tür zuziehen. Ein ganzes schnukeliges Apartment mit allem drum und dran für 35€ mit Frühstück.. Ich bin so gerührt und sage ihr, Sie wäre ein Engel.. Ich sollte jetzt mal aufhören, mich zu bedanken… das paßt scho.. Gerade geht die Sonne vor meiner Terrasse unter und die Kuhglocken bimmeln. Ich weiß nicht, womit ich das verdient habe?

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