14.06.

Die Sonne scheint hell in mein Fenster und es ist 6.00Uhr morgens. Irgendwie habe ich die Ostseite erwischt. Das Frühstück gibt es aber erst um 8.00Uhr, dafür ist es wieder sehr reichhaltig. Ich schlage wieder kräftig zu, auch wenn ich es beim Aufstieg bereuen werde. Die heutige Etappe verspricht lang zu werden.. Es ist ein Tag, wie er schöner nicht sein kann. Strahlend blauer Himmel mit kaum einen Wölkchen. Der Weg geht in der ersten Tageshälfte nahe der Baumgrenze hauptsächlich durch einen schönen Bergwald und über einsame Almen mit vielen blauen Enzianen, hin und wieder Anemonen und sogar kleinen Krokussen im Bereich von Schneeresten. Die Temperatur ist im Schatten der Bäume angenehm und es geht längere Zeit in etwa der gleichen Höhe dahin. Der Weg ist gut markiert und es ist einfach nur schön hier draußen zu sein. Irgendwann gegen Mittag steige ich zur Prießhütte ab und bekomme dort ein Radler und eine Leberknödelsuppe. Die Hütte liegt an der Nockalmstrasse, einer in Kärnten bekannten Passstrasse. Schon von Weitem habe ich die Kollegen von der Gashahnfraktion gehört und nun muss ich für ein kurzes Stück in Ermangelung eines Wanderweges bergauf gehen und die Mopeds lassen die Kuh fliegen, wie man so sagt. Da habe ich auch so eine Krawalltüte in der Garage stehen und steige hier im Schweiße meines Angesichts mit ca. 3km/Stunde bergauf, wo die nächste Kurve sicherlich auch mit 120 ginge. Einen Moment überkommen mich Zweifel an der Sinnhaftigkeit meines Tuns. Schon auf der Prießhütte hatte der Wirt, nachdem er erfahren hatte, wo ich hinwollte, gesagt: Ja mei, bist du deppert… und ja, ich kann zu keinem anderen Schluss kommen.

Erst als ich die Strasse wieder verlassen habe und alles aus einer höheren Perspektive betrachten kann, legt sich das Verlangen nach mühelosen Kurvenjagen. Es geht noch mal richtig zur Sache in Sachen aufsteigen. Der Falkertspitz und der Rodresnock mit rund 2300mtr. stehen auf dem Panoramaprogramm. Als ich endlich oben stehe, habe ich eine grandiose Sicht auf die mich umgebenden Alpen. Vom Mittelmeer ist nicht ein Fitzelchen zu sehen. Nun muss ich nur noch die 1200mtr. nach Wiedweg absteigen, welches ich ganz unten ganz klein im Tal schon sehen kann. Als ich nach zehn Stunden den einzigen Gasthof des Ortes erreiche, stehen diverse Container mit Bauschutt und andere Baumaterialien um das Haus und mir schwant Böses. Es hat einen Wasserrohrbruch gegeben, die Küche ist unbrauchbar.. und ich bekomme das einzige Zimmer, welches sich in einem bewohnbaren Zustand befindet.

Die Bar ist trotzdem bevölkert und ich gerate in Kontakt mit einem Handwerker von hier, der aber eigentlich seit vielen in Aachen lebt und gerade hier bei der Renovierung der Küche hilft. Die Wirtin kennt auch noch jemand in Meerbusch. Die Welt ist klein.. und heute war sie auch besonders schön.

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