15.06.

Es ist 6.00Uhr morgens. Der Kirchturm 50 Meter gegenüber tut sein Allerbestes, die Gläubigen und die Ungläubigen zu wecken. Es sind nicht die sechs Glockenschläge für die Uhrzeit, sondern es ist dieses Geläut, was bei uns nur noch eingeschränkt erlaubt ist. Für die paar armen Seelen in diesem Ort halte ich den Lärm jedenfalls für übertrieben, schon gar um diese Zeit. Ich habe auf jeden Fall den Eindruck im Glockenstuhl zu sitzen. Das mit dem Ausschlafen wird wohl nichts mehr. Nach dem Frühstück geht es hauptsächlich auf der Forststraße durch den Wald auf den Wöllaner Nock, wieder 1250mtr. Frühsport, am Anfang noch mit ein bisschen Nieselregen. Dann kommt die Sonne voll raus. In der Nähe des Gipfels haben sich Modellsegelflieger versammelt und tragen irgendeinen Wettkampf aus. Sie kommen aus aller Herren Länder. Jedenfalls sehe ich später Autokennzeichen aus Tschechien, Rumänien, Österreich und Deutschland. Genial wie sie mit ihren Hightechgeräten umgehen können. Dann geht es wieder abbi.. Ich vermeide eine Hütte, wo zwei Alpenmusiker versuchen, die Gegend mit einem Verstärker zu beschallen und gelange nach ein paar Wegfindungsschwierigkeiten zur sehr schönen Geiger-Hütte. Sie ist etwas abseits gelegen und der Salzsteigweg führt an ihr vorbei. Es beginnen die Alpenrose zu blühen. Hier mache ich meine Mittagspause und bestelle eine Brettel-Jause. Das Brett bricht fast unter der Jause aus verschiedenen Speck, Leberwurst, Kaminwurzen und Käse zusammen. Zum Verdauen gibt es noch einen Obstler obligatorisch dazu und anschließend noch einen Kirschlikör als Geschenk des Hauses. Als ich dann aufbreche, geht es erst mal wieder auf den falschen Steig. Das Smartphone Navi spielt verrückt und das andere GPS Gerät hat nur den Track von Alex drauf. Alex ist aber in diesem Bereich nicht dem Salzsteigweg gefolgt. Ich muss wieder aufsteigen und habe dazu noch den Verdacht, dass der Salzsteigweg nicht von ungefähr an der Hütte vorbei führt. Jedenfalls gäbe es eine ökonomischere Wegführung, was wohl auch Alex so gesehen hat. Jedenfalls muss ich eine Weile mit meinem übervollen Bauch aufsteigen und fühle mich wie eine Schwangere im 9. Monat. Ich pumpe wie ein Maikäfer und bekomme Seitenstiche. Nie wieder haue ich mir den Bauch voll, wenn ich noch einen halben Tag laufen muß. Es geht wieder stundenlang einen Forstweg hinab und ich verhaue mich noch zweimal. Durch die zunehmende Hitze bis 30° funktioniert mein Orientierungsvermögen nicht mehr. Und auch mein Smartphone-Navi fixt auf einmal die Satelitten nicht mehr. Na ja, irgendwann erreiche ich Arriach, wo aber gerade die Blasmusik spielt und die freiwillige Freiwehr marschiert. In einem Gasthof bekomme ich die Auskunft, daß es keine Zimmer gäb, aber 500 Meter außerhalb des Ortes wäre ein neues Gasthaus. Das ist tatsächlich sehr schön gelegen und macht einen guten Eindruck. Der Wirt hat allerdings keinen österreichischen Akzent, sondern hört sich holländisch an. Es ist, wie sich herausstellt, ein belgisches Ehepaar, die den Gasthof übernommen und renoviert haben. Im Gastgarten sitzen sieben Schwaben, die der Meinung sind, die Welt gehört ihnen. Ich habe nichts gegen Schwaben, aber das Schwäbische, däs kann isch nit schwätze un i finds scho arg nervig, da isch so fiel, wo i nix von höre möscht… weischt. I glaub, i musch weg von denne do, weischt.

Hinter mir sitzt noch ein ruhiges holländisches Ehepaar, die es heel moi hier finden und gerade hat auch noch ein slowenischen Paar Platz genommen, aber keiner ist so laut und lärmend wie die Schwoab, weischt…Noi, i geh jescht laufen vor dera Leut, weischt…

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