17,06.

Wie sieht nun so ein Ruhetag nach fast vier Wochen wandern aus? Es ist ein bisschen bedeckt und keine 30° mehr, aber immer noch angenehm warm. Ich leihe mir ein Fahrrad an der Jugendherberge und fahre erst einmal zum Schuster. Das Futter meines rechten Schuhes hat den extremen Bedingungen der letzten Wochen nicht standgehalten und ist im Bereich des kleinen Zehs durchgescheuert und wirft Falten, die selber wieder scheuern. Der Schuster hat eine Lösung und will die Stelle großflächig mit weichem Leder überkleben. Das Ganze müsste vor erneutem Gebrauch mindestens 3 Stunden aushärten. Ich könne den Schuh dann abholen. Hmm, was mache ich drei Stunden lang ohne meinen rechten Schuh.? Ich traue mich nicht, den Schuster zu fragen, ob er für solche Fälle Leihschuhe bereit hält, weil ich meine, die Antwort zu kennen. Also ziehe ich den linken Schuh auch noch aus und verlasse das Geschäft barfuß. Irgendwie komme ich mir schon ein bisschen komisch vor. Ich treffe in Villach keinen anderen Menschen, der sonst noch barfuß läuft. Also schwinge ich mich schnell auf mein Rad und fahre etwa zwanzig Kilometer zum Ossiacher See zu einem Strandbad, wo ich nicht mehr weiter auffalle. Das Bad im See ist herrlich und das Wasser ist erstaunlicherweise sehr warm. Auf dem Rückweg möchte ich eigentlich noch auf die berühmte Burg Landscron. Leider muss man am Fusse des Berges das Rad stehen lassen und kann nur zu Fuß hinauf. Eine Stunde Fussmarsch hin und zurück traue ich mir barfüssig doch nicht zu und verzichte. Auf dem weiteren Rückweg liegt noch eine Sammlung alter Motorräder und anderer motorisierter Zweiräder, die ich mir anschauen möchte. Also betrete ich barfuß die Ausstellung und sehe viele alte Bekannte aus meiner gesamten Motorradlaufbahn. Eines ist ganz gut nach zu vollziehen. Früher saß man auf Motorrädern, heute sitzt man drinnen. Wie bei den Autos und den Menschen gibt es den Hang zum „Dickerwerden“ Ich nehme mich da, zumindest was meine Motorräder anbetrifft, auch nicht aus. Auch unser zukünftiges Wohnmobil liegt da irgendwie im Trend.

Am Nachmittag kehre ich zum Schuster zurück, und fühle mich endlich wieder vernünftig angezogen. Es sind noch ein, zwei Kleinigkeiten und ein Pack Müsliriegel einzukaufen und dann mache ich mich auf, einer Empfehlung von Evert in Finkenstein zu folgen. Evert ist ehemaliger Kollege und kennt die Gegend durch diverse Motorradbesuche sehr gut Hier gibt es den Kirchenwirt, der für seine Steaks bekannt ist. Früher hieß es, ich geh meilenweit für eine Camel. Ich kann sagen, ich radel kilometerweit für ein Steak. Das dürfte es in den nächsten Tagen auf den Hütten nicht mehr geben. Apropos: Fahrradfahren ist herrlich, man frisst sozusagen die Kilometer.

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