27.06.

Der Tag verspricht wieder Wetter vom Feinsten. Der Himmel ist strahlend blau und ich breche so früh wie möglich auf. Es geht wieder hinauf auf den Kamm, wobei die Hütte schon auf 2300mtr liegt und der Aufstieg zum nächsten Gipfel, dem Eisenreich gerade mal 300mtr. sind. Oben am Kamm wieder eine geniale Aussicht auf die Dolomiten, die nur durch ein Tal von den Karnischen Alpen getrennt sind. Es geht auf und ab, auch immer wieder von halb zugeschwemmten Schützengräben und zerfallenen Stellungen begleitet. Ich beobachte eine Herde Schafe, die sich relativ scheu verhält. Ein ganz kleines Lamm versucht der Mutter im steilen Gelände zu folgen. Es ist so wackelig auf den dünnen Beinen, daß mir Angst und Bange wird, als ich zuschaue, wie es der Mutter folgen will. Mehrmals scheitert es, kläglich blöckend, die Felsen zu erklimmen. Die Mutter sorgt sich wohl auch und klettert zurück und stellt sich so unter das Lamm, dass es nicht vollständig abstürzen kann. Und dann zeigt es dem Kleinen mehrmals den Weg aus der Misere. Es braucht ein wenig, bis das Kleine es auch umsetzen kann, aber dann ist es wieder auf sicheren Pfaden unterwegs. Ein hartes Leben für Schafe hier oben und so ganz doof sind sie auch nicht, auch wenn sie manchmal so aussehen. Aber das gilt ja auch im Menschenreich.

Dann treffe ich Christian aus Baden- Würtenberg, augenscheinlich auch ein Bergfex und wohl begeisterter Mountainbiker und Gleitschirmflieger, der, nachdem er das Wohin und Woher erfährt, mir von der persönlich bekannten Johanna erzählt, die vor zwei Jahren alleine auch schon von Wien nach Nizza gewandert ist.

So viele Menschen können es auch nicht sein, die von Wien nach Nizza wandern und trotzdem habe ich jetzt schon eine Häufung an Begegnungen in dieser Hinsicht, die jenseits der Wahrscheinlichkeit liegen.

Dann lasse ich Demut walten, bzw. den Demutspitz, einen 2600mtr. hohen Gipfel. Hier nimmt die Wandererdichte langsam zu und wird dann schon fast unerträglich an der neu gebauten Sillian Hütte. Hier sind schon fast Horden unterwegs, was der erleichterten Erreichbarkeit über nicht soweit entfernt liegende Parkplätze geschuldet. Auf der Leckfeldalm finde ich Unterkunft und beschließe den heißen Wandertag schon am Mittag. Hier treffe ich auch Roman aus Berlin wieder.

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