03.07.

Bei der Reiseleitung haben wir heute das Überraschungspaket gebucht. Leider hat eine alle paar Minuten anlaufende Elektropumpe die Nachtruhe empfindlich gestört und Robert hatte zusätzlich mit meinem Schnarchen zu kämpfen. Ich komischerweise nicht… Zunächst scheint auch wieder die Sonne und taucht die umgebenden Felswände in gleißendes Licht. Nach ca. 40 Minuten teilt sich der Weg. Eigentlich ginge es durch das Schneefeld weiter aufwärts auf die Sella Hochebene, aber linkerhand liegt der Piscardu Gipfel. Das Wetter ist gut und wir haben viel Zeit. Das leichte Klettern ohne Gepäck ist schon fast ein Spaß und in 14 Minuten sprinten wir auf den Gipfel. Dort genießen wir nochmal die Aussicht ins Mittagstal aber die heraufziehenden Wolken veranlassen uns schnell wieder zum Abstieg. Durch mehrere Schneefelder geht es über die weite Sella-Hochebene und teilweise kommt auch die Sonne wieder hervor. Es ist noch relativ viel Schnee da, aber wir befinden uns immerhin auch in einer Höhe von 2800mtr. Wir wissen, daß um 14.00Uhr ein Gewitter kommen soll. Gegen 11Uhr sind wir in der Nähe der Boe-Hütte und es fängt an zu regnen. Die Capanna Piz Fassa ist mit 3152mtr. die höchst gelegene Dolomiten Hütte und unser Tagesziel. Sie liegt etwa 40 Minuten Geh- bzw. Steigminuten von der Boe-Hütte entfernt. Zeit genug also, den Regenschauer auf der Boe-Hütte auszusitzen. Nach einem Frühbier brechen wir wieder auf… um kurz hinter der Hütte wieder um zu kehren. Die nächste Regenfront zieht dunkelgrau heran. Also noch ein Cappuccino… Neben uns nimmt eine Gruppe von der Alpinschule Kleinwalsertal Platz. Ihr Bergführer fragt uns, ob wir auf der Capanna reserviert hätten. Es gäbe nur 22 Lager und da könnte es eng mit Übernachtung werden. Nachdem wir die Hütte telefonisch nicht erreichen können, beschließen wir an unserem Plan fest zu halten. Angeblich ist das Zeitfenster bis zum nächsten großen Gewitter gerade günstig. Wir spurten los und auf der Hälfte der Strecke verfrüht sich das Gewitter… Wir bekommen gerade noch das Regenzeug an, befinden uns an einer mit Stahlseilen versicherten Stelle und da sollten wir nicht bleiben. Innerhalb von kürzester Zeit fängt es an zu regnen und dann heftig an zu hageln. Die Sicht nimmt ab und es blitzt und donnert. Der Fels wird durch den Hagel rutschig. Die Entscheidung rauf oder runter ist eigentlich ein stillschweigendes Einverständnis.. Rauf..Haben wir vorher schon Gas gegeben, um das Gewitter zu vermeiden, legen wir jetzt noch eine Schippe drauf, um so schnell wie möglich wieder aus dem Gewitter heraus zu kommen. Ein Sprint auf 3000mtr…mit 14kg Gepäck auf verhagelten Felsen.. Wie toll ist eine Hütte in den Bergen. Die Tür geht auf, Du bist in Sicherheit und alles ist behaglich. Die Capanna ist eine kleine gemütliche Hütte ganz auf der Spitze des Piz Boe und normalerweise tagsüber von Tagestouristen überlaufen, da nicht weit entfernt eine Seilbahn auf das Pordoijoch führt. Heute ist das anders. Vier Gäste verlassen die Hütte, als der Regen nachlässt und dann sind wir die einzigen Gäste.. bis dann 2Stunden später die Gruppe der Alpinschule Kleinwalsertal eintrifft. Dann ist es natürlich mit der Ruhe vorbei. Draußen haben die Wolken die Hütte eingehüllt und wir sind ein kleines Universum auf Zeit auf 3100mtr.

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