04.07.

Nachdem wir schon den gestrigen Sonnenuntergang (ja, die Sonne hat sich nach dem Unwetter tatsächlich später wieder gezeigt) schon bewundern konnten, hatten wir die Hoffnung auf einen Sonnenaufgang der Extraklasse. Schließlich gibt es keinen Ort im weiten Umkreis, wo die Voraussetzungen besser dafür wären. Dafür stehen wir auch neben einigen Mitbewohnern um 4.30Uhr auf und begeben uns auf die mit Reif bedeckte Terrasse. Natürlich geht auch heute die Sonne wieder auf, aber die Frühschicht lohnt sich nur zum Teil. Zunächst ist alles sehr vielversprechend mit den verschiedensten Rottönen an den hellblauen Himmel gemalt, aber die Hauptakteurin lässt sich aufgrund eines Wolkenbandes nicht wirklich blicken und wir kriechen tiefgefroren in unsere Betten zurück. So richtig warm werde ich auch bis zum Aufstehen nicht mehr. Trotzdem ist die Übernachtung auf der Capanna Piz Fassa ein absolutes Muß, wenn Ihr in der Gegend seid. Ganz großes Alpenkino….

Aber jeder Film hat ein Ende und wir haben eine Übernachtung auf dem Campingplatz von Campitello di Fassa ins Auge gefasst. Uns trennen nur noch 2150Hm Abstieg und ca. 500Hm Aufstieg und jede Menge Aussicht. Wir überholen die Alpinschule Kleinwalsertal und bekommen noch gute Wünsche auf den Weg und dann geht es über ein steiles, langes Schneefeld in ein wenig begangenes Tal auf den Glühweinweg. Keine Ahnung wer sich diesen bescheuerten Namen ausgedacht hat. Bis auf ein hüfttiefes Versinken von Robert im Schnee und einer etwas tricky Bachüberquerung ein sehr schöner Abstieg durch die steilen Wände des Sellamassivs. Unterwegs treffen wir ein ignorantes Murmeltier. Wir sind zwar keine Fressfeinde, aber alle normalen Murmeltiere gehen Menschen vorsichtshalber aus dem Weg. Dieses lässt sich zu unserem Glück fast das Objektiv auf die Nase drücken. Irgendwann landen wir am Passo di Sella mit dem üblichen Gewimmel von diversen Rennradfahrern, die keuchend den Paß hochstrampeln und röhrenden Bikern, die sich schwitzend aus ihren Kombis quälen. Nach einem Radler und dem Passieren von vielen Radlern machen wir, das wir wegkommen. Aber es dauert noch eine Weile, bis wir wieder in Regionen entkommen, die nur fußläufig erschlossen werden können und damit einsam werden. Wir passieren den Langkofel, an dem ich schon mit meinem Freund Burkhard und seiner Schwester Margot ein Kletterabenteuer bestanden habe und dann geht es nochmal 900mtr. hinunter nach Campitello. Hier boxt wieder der Touristenpabst und wir haben Zugang zu alkoholischen Getränken und einer Dusche. Die Aufzählung ist bewusst so gewählt. Es sind schon viele Menschen verdurstet, aber es ist noch kein Mensch an seiner salzigen Haut gestorben.

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