08.07.

Vorweg: nochmal vielen Dank für alle Kommentare, auch wenn ich nicht umgehend darauf reagiere. Es freut mich, wenn Euch meine Reiseberichte interessieren und sie eventuell schöne Erinnerungen reaktivieren oder Lust auf die Berge.

Robert neben mir im Doppelbett hat heute morgen etwas laut beim Schlafen geatmet. Das hatte wohl mit seinem ermatteten Gaumensegel zu tun. Ausserdem ging auf dem Parkplatz vor dem Haus aus irgendeinem Grund die Autoalarmanlage an. Autodiebe sind hier aber wirklich nicht zu erwarten. So bin ich also wieder etwas verfrüht wach und kann den jungen Morgen auf dem Balkon begrüßen. Das Frühstück lässt keine Wünsche offen und die Wirtin ist echt zuvorkommend und nett. Überhaupt können wir die Unterkunft Edelweiß in Jenesien nur empfehlen. Da haben wir mal wieder Schwein gehabt. Der Tag ist offen und unser Ziel ist vorerst die Meraner Hütte. Es geht auf den Salten, einer ausgedehnten Hochalm mit schönen grünen Wiesen, alten Lärchen und vielen kleinen Schlupfen, also ehemaligen Heuspeichern. Heute gehören sie wahrscheinlich Leuten aus Bozen, die Geld wie Heu haben und als Wochenendhäuser benutzen. Jedenfalls gibt es in dieser Gegend wohl viele Märchen und Legenden, die über kleine Texttafeln und Puppen am Wegesrand erzählt werden. Es geht um Wassernixen, Feen, Hexen und natürlich dem Teufel und wie es den Menschen im Umgang mit diesen Mächten ergangenen ist. So entwickelt sich ein sehr unterhaltsamer Vormittag mit kleinen Märchenintermezzos. Dann geht es weiter in weniger liebliche und höhere Almengebiete wie den Mödner Kaser  und schließlich über das Kreuzjoch zur Meraner Hütte, dem Sehnsuchtspunkt aller E5 Oberstdorf-Meran-Alpenüberquerer. Wir sind um 14.30Uhr dort und es ist noch soviel Zeit am Ende des Tages. Anstatt zu relaxen und den Bierumsatz der Meraner Hütte zu steigern, beschließen wir nach 20km noch ein bisschen zu laufen. Es geht ja nur noch 1400Hm runter. Vielleicht ist es dem Zwischenbier auf relativ nüchternen Magen geschuldet oder einer gewissen jugendlichen Unbekümmertheit, die uns eigentlich nicht mehr ansteht. Jedenfalls wollen wir noch nach Meran absteigen. Bisher waren die Wege 1a, sozusagen Premium und sind es auch bis Falzeben. Wir folgen dem Track von Alex und nach dem ersten Verhauer schwant mir Böses. Wir sollen durch eine Schlucht hinunter, die von Normalreisenden mit der Seilbahn bewältigt werden. Die Wegfindung gestaltet sich als schwierig. Man kann eigentlich von einem zugewucherten Trampelpfad sprechen, wenn, ja, wenn da nicht dieses steile Gelände wäre. Auf jeden Fall wird dieser Weg nur sehr selten begangen. Warum ist uns auch sehr schnell klar. Er ist extrem anstrengend und runter noch viel schlimmer als rauf. Wenn man immer alles vorher weiß, dann würde man Vieles nicht machen. Am Ende des Weges befindet sich ein Warnschild.. Nur für Geübte.. Am Anfang des Weges hätte es auch stehen sollen. Hätten wir dann anders entschieden? Ich weiß es nicht… Aber zu dem: Nur für Geübte.. Solltet Ihr dieses Schild sehen, dann geht davon aus, daß es nichts für schwache Nerven ist und noch ein paar Körnchen übrig sind.. Das ist meine langjährige Erfahrung in den Bergen. Das steht nicht zum Spass da..

Wir erreichen abgekämpft und mit Zecken im Gepäck die Talstation der Meran 2000 Seilbahn und in einer kleinen Bar wird ein Bier fällig. Der Wirt erweist sich als Engel. Nicht nur, daß Ewald das nötige Kaltgetränk liefert, sondern, nach Schilderung unseres Tagesablaufes, uns auch noch eine günstige Unterkunft besorgt und uns nach Abschluss seiner Bar darselbst zu dieser transportiert. Er war mit seiner Frau auf dem Jacobsweg und versteht die Nöte eines Wanderers. Letzten Endes sitzen wir frisch geduscht in einem Biergarten in Algund mit künstlichen Wasserfall und genießen den Kontrast zwischen Bergwildnis und Biergarten.

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