13.07.

Bestellt Euch keine Polenta mit Käse, Butter und Ei, wenn Ihr nicht mindestens 24km und 2200Hm hinter Euch habt. Ich dachte, ich müsste ein paar Kalorien nachtanken und habe mir heute Abend das Armeleuteessen der italienischen Bergbauern bestellt. Und ich habe alles aufgegessen, damit es morgen nicht regnet. Jetzt liege ich auf dem Bett und habe fertig. Die nächsten Tage werde ich nichts mehr essen, wahrscheinlich nie wieder…

Ich bin ja nicht im Urlaub hier, der fängt erst in Nizza an. Als ich heute morgen in Prad aufgebrochen bin, hat es ein bisschen genieselt. Das war ein Vorbote der Wetterentwicklung der nächsten Tage. Morgen Abend soll es hier am Stilfser Joch anfangen zu schneien und dann die Nacht durch und auch den Montag. Nun gut, der Wetterbericht hat nicht immer recht, aber gesetzt den Fall, daß, dann wäre es besser als Wanderer nicht hier oben zu sein. Deshalb habe ich beschlossen, noch keine Pause zu machen und das Joch schnell hinter mich zu bringen. Immerhin ist es die dritthöchste Stelle auf meiner Wanderung und an der zweithöchsten, dem Piz Boe durften Robert und ich schon erleben, wie sich schlechtes Wetter in dieser Höhe anfühlt. Diesmal waren es  dann fast 2200mtr. rauf. Aber immerhin: ich hab den Pass geschafft und gleichzeitig feiere ich leider alleine mit zwei Weizenbier mein Bergfest. Sollte ich es tatsächlich bis Nizza schaffen, dann habe ich mindestens die Hälfte der Strecke mit 1000km schon hinter mir.„Schon“ ist vielleicht etwas euphemistisch aber moralisch doch aufbauend. Jetzt geht es nach Hause und es sind nur noch weniger als 1000km. Falls Ihr mich jetzt für übergeschnappt haltet oder höhenkrank? Nein, ich bin es hoffentlich nicht. Aber die Dimensionen dieser Reise sind ohnehin nicht wirklich zu realisieren und man tut gut daran, einfach weiter zu laufen. Es gibt da irgendein Geheimnis, das durch zu große Vorstellungskraft zerstört wird. In einem Buch von Michael Ende wird der Tausendfüßler gefragt, wie er es anstellt, mit so vielen Füssen so schön tanzen zu können. Der Tausendfüßler konzentriert sich auf die Bewegungsabläufe der Füße und kann nie wieder tanzen. Würde ich morgens visualisieren, was noch alles vor mir liegt, würde ich wohl im Bett liegen bleiben. Ich steh auf und geh los, weil ich ohne Losgehen nicht ankommen kann.

So, nun genug der philosophischen Betrachtung. Der Weg heute war sehr abwechslungsreich und quasi ein Potpourri aus allem, was ich bisher gewandert bin. Ein etwas ausgesetzterer Steig durch den Weg nach Stilfs, Almwiesen, Straßen, Feldwege, Wanderwege mit Treppenstufen, Blockwerk und Altschneefelder. Der Himmel bedeckt mit gelegentlichen Sonnendurchbruch und der Blick auf die Gletscher von Ortler, Zebru und Cervedale. Hier werden Erinnerungen an frühere sehr abenteuerliche Hochtouren wach.

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