19.07.

Bis auf die viel zu weiche Matratze war es eine wirklich ruhige Nacht. Und auch das Frühstück lässt keine Wünsche offen. So ist der Schweizer Übernachtungspreis zwar immer noch nicht nach deutschen Verhältnissen gerechtfertigt, aber wir können unseren Frieden damit machen und sind für die 1600mtr. Aufstieg auf den Passo di Campagneda gerüstet. Auch heute wieder beschließen wir, uns zu trennen. Ich habe bergauf einfach mein eigenes Tempo, welches immer auch noch einen sportlichen Antrieb hat. Es geht mir dabei nicht darum, schneller als andere zu sein, sondern eine sportliche Herausforderung anzunehmen, die ich mir selber stelle. Und natürlich habe ich ein Erfolgserlebnis, wenn ich in einer mir passabel erscheinenden Zeit den Pass erreiche. Ich freue mich dann einfach über die noch vorhandene Leistungsfähigkeit meines Körpers, ohne mich total zu verausgaben, und natürlich ist es in den Bergen auch immer ein Sicherheitsaspekt. Wenn die Gewitterneigung im Laufe des Tages zunimmt, können ein, zwei Stunden darüber entscheiden, ob man an ungünstiger Stelle hineinkommt oder nicht.

Trotzdem sollte ich natürlich dann auch darauf achten, daß ich keine unnötigen Umwege macht. Mein GPS-Track führt mich also durch einen schönen Bergwald und die Maiensäßalm Selva und ich wähne mich Rudi und Alex weit voraus, da entdecke ich sie weit oberhalb von mir im Hang. Sie haben mich einfach auf einem kürzeren Weg unbemerkt überholt. Das freut sie natürlich sehr (Schadenfreude ist eine schöne Freude) und ich erhalte den Beinamen Hase und ich darf sie im Gegenzug Igel nennen.

Im weiteren Tagesverlauf kommt dies aber Gottseidank nicht mehr vor und ich erreiche nach etwas mehr als drei Stunden den Pass und damit wieder den Grenzübergang nach Italien. Leider ist der Blick auf die nun gegenüber liegende Berninagruppe weitgehend durch Wolken versperrt. Aber die letzten Höhenmeter führen teilweise durch bachdurchflutete Blumenwiesen und auch der Blick auf einen nahe gelegenen Gletscher ist spektakulär. Außerdem findet hier über den Pass alljährlich ein 24 -Stunden-Skyrun mit über 6000Hm und 90km Distanz nach Poschiava statt, durch dessen Tor ich schreite. Eigentlich müssten morgen hier die Läufer vorbei kommen.

Wenn Ihr also mal ne Runde laufen wollt, hier wäre ein schöner Trail dafür. Es ist allerdings kalt und windig auf 2600mtr. und ich mache mich umgehend an den Abstieg nach Italien, Richtung Campo Moro. Als ich fast dort bin, erreicht mich ein Anruf von Alex. Zwei Schweitzer haben das Rifugio Ca Runschasch bestens empfohlen und dort könnten wir uns doch treffen. Das Rifugio habe ich vor einer Viertelstunde im Abstieg passiert. Also läuft der Hase Dietmar wieder zurück und ist auch nicht enttäuscht, denn das Rifugio ist sehr schön und wir sind die einzigen Übernachtungsgäste. Giancarlo, der Wirt, hat schon in Steigenberger-, Hilton- und Arabella-Hotels gearbeitet. Nach einem kleinen Imbiss und einem kleinen Radler und einem kleinen Rotwein für Rudi und mich (Alex will nicht für einen Alkoholiker gehalten werden!! ) ziehen wir uns reunited in die Schlafgemächer zurück, um uns für prima und secondo piatti des Abendessen zu richten und uns von der anstrengenden und schönen Wanderung auszuruhen. Wir dürfen gespannt sein und ich beende den Blog lieber vor dem Abendessen….

Ach ja, so am Rande verfolge ich hin und wieder das Weltgeschehen und rege mich eigentlich mehr über die immer wieder am Weg liegenden Tempotücher auf (man sollte die Umweltsünder zu einer zehnstündigen Sammelaktion und zwanzig Stockhieben bestrafen). Aber Trump schafft es doch auch hier in den Bergen meine Aufmerksamkeit im negativen Sinne auf sich zu ziehen. Woher nimmt der Kerl sich dass Recht, sein Meltingpot-Volk so zu spalten und mit den Stimmen von Stammhirn- oder vielleicht auch Kleinhirnprimaten seine Macht zu etablieren. So, jetzt ist es raus.. Ich hab die Berge zu ihrer diesbezüglichen Meinung gefragt. Sie haben nicht mal mit der Achsel gezuckt. Vielleicht sollte ich mir ein Beispiel nehmen.

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