24.07.

Was für ein Tag.. Ich erlebe ja schon so Einiges, aber es gibt ja immer noch Tage, die besonders sind. Leider kann ich das nicht alles zu Word oder Blog bringen. Das Frühstück auf der Hütte bestand aus Biscottis und Café und einem gut gelaunten Luigi, der mich herzlich verabschiedet und auch eine italienische Familie, mit denen ich zu Abend gegessen hatte, wünscht mir guten Weg. Es ist lau auf 2170mtr. und das Panorama der prominent liegenden Hütte ist sehr schön. Ich freue mich über mein Glück hier sein zu können und genieße die seidenweiche Luft und die schöne Morgenstimmung. Ich steige ab und habe nach kurzer Zeit Blick auf den Stausee Lago di Monte Spluga und natürlich auch auf den Monte Spluga selber. Hier verläuft der Splügenpass der die italienische Provinz mit dem schweizerischen Graubünden verbindet. Ich quere die Staumauer und steige auf der via Spluga, der historischen Passverbindung, durch die eindrucksvolle Cardinelloschlucht nach Isola. Eigentlich wäre hier meine Tagesetappe von Inerferrara zu Ende. Da ich aber auf dem Rifugio Bertacchi übernachtet habe, ist es nur noch eine halbe Tagesetappe. Es ist Mittag und sehr heiß in Isola. Ich möchte wieder in die etwas kühlere Höhe und beschließe einen Teil der nächsten Tagesetappe des Rother Wanderführes dran zu hängen und evtl. auf der Höhe am Lago Grande zu zelten. Bis dahin sind es etwas mehr als 1000Hm. Der Aufstieg bei über dreißig Grad lässt den Schweiß in Strömen fließen. Ich komme an der Hochalm Borghetto vorbei, wo schon nachweislich vor 6000 Jahren Menschen gelebt haben und die hier typischen Steinhäuser mit den kunstvollen Steindächern stehen. Am Lago Grande stehen ein Esel, eine Pferdeherde und ein paar Kühe. Trotz gegenteiliger Ankündigung des Wetterberichtes gibt es einen kurzen kräftigen Schauer. Alles ist nass und ich kühle in Ruhe recht schnell aus. Es ist gegen 15 Uhr und ich sehe mich in der nassen Wiese frierend mein Zelt aufbauen und dann die neugierigen Tiere auf Distanz halten. Ausserdem liegt hier auf 2300mtr immer noch etwas Altschnee und es könnte nachts doch kühl werden. Also weiter Richtung Passo Baldisco nach Pian San Giacomo in der Schweiz. Während der Weg von Isola zwar anstrengend aber völlig unschwierig war, ist es auf der Schweizer Seite ganz anders. So einen dauerhaft steilen und rutschigen Weg hatte ich höchsten mit Robert auf dem Stück Falzeben nach Meran. Da war es vielleicht noch etwas heftiger aber längst nicht so lang. Hier geht es über fast 1000Hm steilst bergab und jeder Schritt erfordert volle Konzentration. Im Wanderführer ist das zwar beschrieben, aber meines Erachtens verharmlost. Das Einzige, was ich dem Weg zugute halten kann, ist, daß er hervorragend gekennzeichnet ist. Was bin ich froh, als ich wieder einen Fahrweg unter den Füßen habe. Es geht weiter hinunter nach San Giaccomo, wo ich erfahre, daß die einzige Unterkunft geschlossen ist. Also weiter nach Mesocco, wo die einzige Unterkunft geschlossen hat. Es ist mittlerweile 19.00Uhr, ich bin seit 11 Stunden auf den Füssen, habe 28 km mit 1200mtr. Aufstieg und 2650mtr. Abstieg hinter mir und weiter geht es nicht. Ich finde das einzig offene Restaurant in Mesocco, bin der einzige Gast und möchte mich noch einmal stärken, um an der nächsten Wiese mein Zelt aufzustellen und erfahre von der Wirtin beim Bezahlen das sie ein Zimmer vermieten könnte. So komme ich doch noch nach einem guten Essen zu einem großen, hellen modernen Zimmer. Der Preis ist für Schweizer Verhältnisse mit 60€ fast geschenkt. Das Glück ist ja doch mit mir.

P. S.

Ich habe Rudi und Alex irrtümlich ein Jahr älter gemacht, als sie wirklich sind. Man sieht ihnen ihr Alter auch nicht an, jedenfalls morgens vor den Tagesetappen???

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