05.08.

Nach einem italienischen Frühstück verlasse ich die Hütte und steige noch kurz auf die nahe gelegene Punta di Sella, wo sich mir noch ein Blick auf das bisher hartnäckig verborgen gebliebene Monte Rosa Massiv eröffnet. Das Aufsteigen wäre gar nicht nötig gewesen, denn im weiteren Verlauf geht es immer wieder über Kämme, die grandiose Panoramen liefern. War gestern noch alles in den Wolken, so ist zu dieser frühen Zeit noch nichts zugezogen und ich kann am Horizont sogar ganz versteckt den Mont Blanc, also den Monte Bianco erkennen. Die Gratkletterei ist sehr abwechslungsreich und der Abschnitt zählt wohl zu den aussichtsreichsten der ganzen Tour. Beim Abstieg nach Trovinasse treffe ich auf ein junges niederländisches Pärchen, welches mich nach dem Weg fragt. Erst jetzt erfahre ich, dass mein Gratweg gar nicht unbedingt dem GTA entspricht. Es gibt wohl eine entschärfte Variante. Ich hatte an einer Weggabelung auch kurzfristig den Eindruck, daß der Weg vielleicht am Hang entlang gehen könnte. Aber der Track von Alex, dem ich seit dem Beginn des GTA folge, führte über die Kämme und ich hatte keine Ahnung von der Alternative. Manchmal ist an entscheidenden Stellen die Markierung doch nicht so eindeutig. Aber ich hätte mich beim heutigen Wetter eh für die Kammvariante entschieden. Als ich dann endlich den langen Abstieg nach Quincinetto beginne, zieht es dann aber doch um die Kämme langsam zu. Insofern habe ich wirklich Glück mit der Aussicht gehabt. Dann geht es durch Almengebiet in immer bewohntere und wärmere Lagen und ab Trovinasse dann hauptsächlich auf einer Mulattiera nach Quincinetto. Eine Mulattiera ist ein kunstvoll mit vielen Steinen gepflasterter Weg aus früheren Zeiten, der ähnlich einer Strasse die Weiler miteinander verbunden hat und unendlich viel Arbeit beinhaltet. Mein Respekt für die Wegeinfrastruktur ist ohnehin immens. Ohne die Arbeit vieler Menschen und Generationen wäre meine Tour so überhaupt nicht möglich. Als ich den Ort im Tal erreiche bin ich auf 295mtr Seehöhe, meiner tiefsten Stelle auf der gesamten Wanderung. Erst in der Nähe von Nizza werde ich wieder soviel dicke Luft atmen. Mit dem Auf und Ab an den Kämmen komme ich auf 400mtr. Aufstieg und knapp 2500mtr. Abstieg. Dafür kann ich dann aber auch meine Schwester begrüßen, die es in 9 Stunden von München bis hierher schafft.

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