12.08.

Nachdem von vielerlei Seiten inzwischen Mitleidsbekundungen für meine Schwester eingegangen sind, möchte ich darauf hinweisen, dass ich innerhalb von einer Woche nun den zweiten Pausentag (den insgesamt sechsten auf der ganzen Wanderung!) einlege und den Ochsenziemer nicht gebraucht habe, um sie vor mir her zu treiben. Eine gewisse masochistische genetische Veranlagung scheint familiär gegeben zu sein und meine Schwester macht das alles freiwillig! Ja, und sie hat sogar ab und zu Spaß dabei. Jedenfalls sagt sie das, wenn sie sich nicht gerade auf den steinigen Abstieg konzentriert und ihre ( ihrer Meinung nach!!! )  zu kurzen Beine verflucht.

Nachdem wir gestern mit unserer Regen- und Gewittervermeidungsstrategie dadurch erfolgreich waren, daß wir dem Wetterbericht gefolgt sind, verhält es sich heute etwas anders. Der Wetterbericht gibt wieder ein trockenes Zeitfenster bis Mittag vor und mit Ach und Krach würden wir die Tagesetappe darin unterbringen. Wir entschließen uns aber nicht zuletzt der Kochkünste Simones wegen und der im Gegensatz zu Talosio doch ganz heimeligen Unterkunft noch einen Tag zu bleiben. Kurz nach dem Frühstück fängt es dann heftig an zu schütten, zu donnern und zu blitzen. Wären wir aufgebrochen, dann hätte uns wohl auch unsere Regenkleidung kaum schützen können. Am Nachmittag behält der Wetterbericht allerdings mit seiner Prognose recht. Es regnet wieder heftig und ausgiebig… Ausserdem hätten wir uns auch nicht so stressfrei dem riesigem Frühstücksbuffet von Simone geziement widmen können. Wir sind bisher die einzigen Gäste, wobei für den Abend drei Reservierungen vorliegen.

Ich schaue an diesem Ruhetag mittlerweile doch auch schon in die Zukunft und sehe am fernen Horizont (natürlich übertragen gemeint) das Meer auf mich zukommen, aber dazwischen immer noch entsetzlich viele Berge. Petra wird mich morgen noch begleiten und dann am Mittwochmorgen verlassen. Es gibt sicherlich noch den einen oder anderen Tag, wo sich die Motivation zum Wandern nicht von alleine einstellt. Es ist wie beim Essen von Simonas Vorspeisen. Irgendwann ist man satt, so lecker die Sachen auch sind und auch die Aussicht auf dolce kann dann nicht mehr zum Schlemmen motivieren. Es gibt ja diese Sinnsprüche und unter anderem auch: der Weg ist das Ziel. Aber ohne Ziel gibt es eigentlich auch keinen Weg und der Weg ist erst am Ziel vollendet. So verändert sich dann doch ganz allmählich bei mir die Sicht der Dinge. Konnte ich mir am Anfang noch gar nicht leisten auf das Ende zu schauen, ohne zu verzagen, wird Nizza und ein Ende immer mehr zur treibenden Kraft und es verstärkt sich die Vorfreude auf die „Vollendung“ dieses schönen und ereignisreichen Weges. Ich gehe allerdings noch von „guten“ vier Wochen aus.

So nun genug der Gefühlswelt und der Philosophie über den Weg als solchen…

Gleich gibt es wieder Vorspeisen von Simona ?

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