14.08.

Die Nacht war zwar diesmal ruhig, aber trotzdem kurz, weil Petra den Bus um 6.00Uhr nicht verpassen möchte. Der kommt sogar italienisch unüblich um 5.55Uhr. Da ich sie am Bus verabschieden möchte, fällt auch für mich das Frühstück flach, denn das wäre erst ab 8.00Uhr zu bekommen. So stehe ich also in der Morgendämmerung leicht frierend in Noasca und bin wieder alleine. Gegen frieren hilft Bewegung und auch heute stehen wieder mehr als 1000Hm auf dem Programm und die auch ab sofort. Mir fällt es schwer, zu so früher Stunde ohne Frühstück in Gang zu kommen. Der Weg ist nach ein, zwei Teerkilometern eine alte kaum noch vorhandene Mulattiera, die alte, hoch gelegene Weiler miteinander verbindet und zunächst in ein Seitental führt. Da die Almwirtschaft in vielen Teilen nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, sind diese Weiler dem Verfall anheim gegeben und nur ganz wenige Gebäude werden aus verschiedenen Gründen restauriert. In der Regel sind die Weiler unbewohnt und und schon mehr als 50 Jahre verlassen. Man kann kaum ermessen, wieviel Arbeit damals in diese Almwirtschaften gesteckt wurde und mittlerweile sind große Flächen wieder mit Büschen und Bäumen bewachsen. Diese waren früher mühsam von Steinen befreit worden und überall sieht man noch Trockensteinmauern im jetzigen Wald, die die kleinen Felder begrenzt haben. In einem Weiler wurde die einzige Dorfschule im ganzen Tal und die Kirche vor dem Verfall gerettet. Die Schule wurde Anfang 1960 aufgegeben. Den einzigen Menschen, den ich in diesem Tal treffe, ist eine Frau, die mit zwei Hunden eine Herde Kühe hütet und in einem winzigen Verschlag von vielleicht 15qm haust. Immerhin schafft sie es rechtzeitig den größeren der beiden Hunde anzuketten, bevor ich die Weide queren muss. Dieser macht audiovisuell den Eindruck, dass er seinen Job ernst nimmt. Da bin ich doch sehr dankbar, daß er mit einer Eisenkette gezügelt wird. Dann geht es weiter hoch über einen Pass und wieder hinab nach Ceresole Reale bzw. Rifugio Fonti Minerale. Hier gibt es einen großen sehr schönen türkisblauen Stausee, der viele Touristen anlockt. Ausserdem führt hier die Passstrasse zum Colle del Nivolet hinauf, zu dem auch der diesjährige Giro d’Italia geführt hat. Es fehlen 10km um nach Frankreich zu fahren, aber es gibt wohl keinen politischen Willen diese ohnehin von der Geschichte her frankrophile Gebirgsregion zu verbinden. In früheren Zeiten bestanden hier mehr „Geschäftsbeziehungen“ zu Frankreich als zu Italien. Hier ist das Herz des Gran Paradiso Nationalparks. Ich werde dort nicht mehr hinkommen, sondern die nächsten Tage geht es durch die Lanzo-Täler. Soweit für heute.. Es kann in den nächsten Tagen wieder zu Netzschwierigkeiten kommen, da die Region ziemlich einsam ist.

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