21.08.

Es ist ein klarer Morgen und es steht nach dem Rother Wanderführer einer der längsten Etappen ins Haus. Von Usseaux nach Didiero werden 9,5 Stunden veranschlagt. Allerdings ist der Weg nicht schwierig und hat auch eher eine moderate Steigung. Es zieht zwar etwas zu, aber immer gibt es was zu sehen und der Aufstieg vergeht subjektiv recht schnell. Am Pass Colle dell’Albergian machen wir eine Pause und können kurzfristig bis Frankreich schauen, da hier die Grenze am nächsten Kamm verläuft. Wir sehen eine riesige Schafherde an einem entlegenen Hang, zwischen 300 und 500 Tieren, die von Hunden bewacht werden. Dann geht es hinunter ins Germanasca-Tal an einem hohen Wasserfall, der Cascata del Pis vorbei. An diesem Pass sind Weihnachten im Jahre 1400 wohl 80 Waldenserkinder auf der Flucht vor den französischen Soldaten erfroren. Die Waldenser wurden wie die Katharer und Hugenotten ob ihres Glaubens verfolgt und für Ketzer gehalten. So haben sich zum Beispiel in Balsiglia, einem kleinen Ort 1689/90 angeblich 360 Waldenser den ganzen Winter gegen 4000 Franzosen verschanzt und verteidigt. Diese Dörfer und Täler haben schon eine bewegte Geschichte, von der man heutzutage gar nichts ahnt. Der Abstieg zieht sich ein bisschen aber ist auch durch die wechselnden Talabschnitte voller Abwechslung. Dann erreichen wir die Posto Tappa, die wieder in der alten Dorfschule eingerichtet wurde, aber im ersten Stock noch einen kompletten Klassenraum enthält. Im nahegelegenen Agritourismo La Miando gibt es wieder ein mehrgängiges leckeres Abendessen, zu der auch noch zwei erschöpfte ca. 70-jährige Wanderer aus Berlin und Hamburg erscheinen, die als Freunde diese Etappe zum Einstieg in die GTA genommen haben und gestern erst per Taxi aus Turin angereist sind. Je oller, je doller…aber ich bin ja eigentlich der Letzte, der das kritisch anmerken darf.

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