01.09.

Beim Frühstück sitze ich zwischen einem Australier und zwei Holländern. So international war es bisher in den Gites nicht. In Frankreich war ich bisher immer der einzige Ausländer. Seltsamerweise tummeln sich auf dem GR5 selten Deutsche, während sie auf dem GTA teilweise überhand nehmen (z. B. Schwaben?[ich entschuldige mich für meinen Rassismus bei allen Schwaben, die wo keine schlimmen Schwaben sind, weischt ]) . Ich finde den GR5 mindestens genauso schön und abwechselnd wie den GTA (jedenfalls was ich davon gesehen habe). Es gibt schon um 6.30Uhr Frühstück und um 7. 00Uhr schnaufe ich zum ersten Paß hoch. Es folgen noch einige, da der Weg über die Crête eines Höhenzuges zwischen dem Tinèetal und dem Vésubie-Tal geht. Immer wieder gibt es neue Aussichten und ich krieche natürlich auch wieder in ein Bunkersystem, das am Wegrand liegt. Irgendwann kommt dann Utelle in Sicht und damit das Ende einer angeblich 9-stündigen Etappe. Sie ist bisher die längste der französischen Etappen. Immer wieder habe ich am Horizont Ausschau nach dem Meer gehalten. Aber es hat sich nicht blicken lassen. Aber ganz weit hinten gibt es auch keine Berge mehr, und man kann sowas wie eine Ebene erahnen. Das Gelände ist mit teilweise knapp 2000mtr. durchaus an manchen Stellen noch alpin. In Utelle habe ich dann die Qual der Wahl bzw. Wahl der Qual. Einen Nachmittag in der mediterranen Hitze in einer verlassenen Gite abzuhängen und hungrig auf das Abendessen zu warten oder bei Backofentemperaturen noch ein bisschen zu laufen, so eine kleine Tagesetappe bis Levens, und damit dem Ende meiner Reise noch schneller näher zu kommen. Es besteht überhaupt kein Grund zu eilen, aber irgendein Kleinhirnabschnitt sagt mir: Du schaffst das. Das Großhirn versucht noch einzuwenden.. Da kommt gleich ein Gewitter und es gibt auch kühles Bier. Es wird viel zu oft auf Kleinhirne gehört, wahrscheinlich weil sie älter sind. Jedenfalls stehe ich um 18.30Uhr in Levens und frage nach der Gite d’etappe. Gibet hier nich, sagt ein nahezu zahnloser Franzose. Weiter will er sich über die Hostellerie des Ortes nicht äußern. Nach verzweifelten Suchen frage ich eine Dame, die gerade ein Gebäude abschließt. Nein, eine Gite hat es in Levens noch nie gegeben. Und mit Unterkünften sehe es auch schlecht aus. Es wäre gerade Stadtfest. Dann zückt sie ihr Smartphone und telefoniert herum. Die Antworten der Gesprächspartner stehen in ihrem Gesicht geschrieben. Désolé.. Dann eine Aufhellung. Ein kleines Hotel 1km entfernt will mich aufnehmen. Es gibt so viele freundliche hilfsbereite Menschen auf der Welt. Ich komme noch zu meinen Abendessen, dem halben Liter Rotwein und brauche keine Treppe mehr hinauf. Aber ein bißchen müde bin ich schon. Ab übermorgen kann ich endlich ausschlafen.

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