Über mich

Als ich als kleiner Junge mal richtig Zoff mit meinen Eltern hatte, sah ich nur eine Möglichkeit. Weg von diesen doofen Erwachsenen, die scheinbar aber auch null Verständnis für meine Probleme aufbrachten. Beim wutentbrannten Packen meiner Siebensachen gab es schon das erste Problem. Was braucht man als kleiner Junge, wenn man das Elternhaus aus Überzeugung verlassen muss? Draußen war es Winter. So ein Winter von damals, wo noch richtig Schnee lag. Und es war auch schon früh dunkel… und vor allem, wo wollte ich überhaupt hin? Überfordert schmiss ich mich auf mein Bett und schlief heulend ein. Ein paar Jahre später als Sechszehnjähriger. Eigentlich wieder das gleiche Problem mit den Eltern. Bloß diesmal hatte ich ein Moped und Ferien. Wild entschlossen packte ich meine Sachen und kickte die Maschine an. Bloß weg….ganz weit in den Süden ans Mittelmeer. Nach einer schlaflosen Nacht in der Jugendherberge von Trier drehte ich am nächsten Morgen wieder um. Zu groß erschienen mir die in der Nacht heraufsteigenden Hindernisse für meine Reise, zu mächtig wurde die Angst vor der Einsamkeit in einem fremden Land.

Einfach weg zu wollen ist nicht die beste Motivation um zu Neues zu erkunden, dass hatte ich damals verstanden. Um “ von dannen“ zu ziehen brauche ich seit diesen Erfahrungen einen anderen Antrieb. Ich brauche Lust auf etwas Neues und muss diese neue Erfahrung als bereichernd erfahren um meine Komfort-Zone zu verlassen. Schnell wurde mir klar, dass ich diese Welt möglichst eindrücklich in ihrer Vielfalt erleben möchte, und das Pauschalangebote mir da nicht genügen. Wann immer ich die Möglichkeit und das Geld dazu hatte, zog es mich zu Abenteuern nach draußen, und das ist bis heute so geblieben. Am liebsten bin ich zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, und es zieht mich auch immer wieder in die Berge. Dort erlebe ich eine Ruhe, die ich sehr schätze. Hin und wieder brauche ich auch einen Kick, den ich mir mit gleichgesinnten Freunden beim Bergsteigen, Klettern und sonstigen Outdoor-Aktivitäten oder beim Motorradfahren hole. Mit meiner Frau mache ich seit vielen Jahren schöne Reisen in fremde Länder, Weitwanderungen und Fahrradtouren und freue mich über die gemeinsamen Erlebnisse.

Ich konzentriere mich jetzt auf die Dinge, die mir Freude bereiten. Und da steht das Wandern in den Bergen ganz vorne. So brauchte ich nicht viele Anstösse um einen langen Weg zu suchen, auf dem ich von dannen ziehen kann. Mal schauen, was mir begegnet.

Ich habe auch früher schon hin und wieder Reiseberichte verfasst und möchte nun möglichst viele meiner Freunde und andere Interessierte zeitnah an meiner Wanderung teilhaben lassen. Ich hoffe, ich kann diesem Anspruch gerecht werden…

Die Kunst des Reisens besteht darin, das Fremde zu suchen und sich selbst zu finden.

Ernst Reinhard
(*1932), Dr. phil., Schweizer Publizist und Aphoristiker